XTB I Iran-Krieg lässt Gaspreise explodieren: Deutschland steht vor teurem Speicher-Sommer
- • TTF-Gaspreis springt um bis zu 50 % nach Eskalation im Iran-Konflikt
- • USA können liefern, aber nicht günstig
- • Bei längerer Krise drohen Preise bis 100 €/MWh
Investmentfonds.de | Berlin, 03. März 2026 – Die Eskalation im Nahen Osten treibt die europäischen Gaspreise massiv nach oben. Der niederländische TTF-Gas-Future sprang heute um 30 bis 50 Prozent und hat sich im Vergleich zur Vorwoche nahezu verdoppelt. Hintergrund sind die US- und israelischen Angriffe auf den Iran sowie die darauffolgenden iranischen Drohnenangriffe auf Katars größte LNG-Anlage Ras Laffan/North Field, die rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Produktion verantwortet.
QatarEnergy hat die Produktion infolgedessen nahezu vollständig gestoppt. Gleichzeitig droht der Iran mit einer Blockade der Straße von Hormuz, einem zentralen Schifffahrtsweg für nahezu sämtliche LNG-Exporte aus dem Golf. Der Tankerverkehr ist derzeit nahezu zum Erliegen gekommen. „Auch wenn Katar Europa direkt nur mit etwa sechs bis 14 Prozent des LNG versorgt, ist der globale Effekt enorm“, erklärt Jens Klatt, Marktanalyst beim Online-Broker XTB. „Über 80 Prozent der katarischen Lieferungen gehen nach Asien. Fällt dieses Volumen aus, konkurriert Asien sofort um alternative Lieferungen, dann zahlt Europa am Ende den Preis.“
Ist der Preissprung bei europäischem Gas nur temporär?
Kurzfristig könnten sich die Märkte beruhigen, sollte die Produktion in Katar binnen Tagen oder Wochen wieder anlaufen. Die europäischen Speicher sowie Spotmärkte wirken zunächst als Puffer.Doch bei einer längeren Unterbrechung verschiebt sich die Lage. „Von einer temporären Bewegung können wir nur sprechen, wenn die Lage schnell deeskaliert“, so Klatt. „Kommt es zu einer einmonatigen Blockade der Straße von Hormuz oder einem längeren Produktionsausfall in Katar, bewegen wir uns nicht mehr im Bereich kurzfristiger Volatilität. Dann sind Preise von 70 bis 80 Euro je Megawattstunde realistisch – bei anhaltendem Ausfall sogar 80 bis 100 Euro.“ Aktuell notiert der TTF bereits im Bereich von 55 bis 60 Euro/MWh.
Kann Europa die Lücke kurzfristig schließen?
Die entscheidende Frage für Deutschland und die EU lautet jetzt: Gibt es Ersatz? Denn es gibt Alternativen. USA: Ja, sind ein möglicher Ersatz - und zwar unmittelbar. Die Vereinigten Staaten sind mittlerweile der weltweit größte LNG-Exporteur und liefern bereits über 50 Prozent des europäischen LNG-Imports. Spot-Cargos können umgeleitet werden, und Europa verfügt inzwischen über ausreichend LNG-Terminals. „Die USA sind Europas wichtigster Joker“, betont Klatt. „Technisch ist eine deutliche Ausweitung möglich, ökonomisch bedeutet das aber höhere Preise.“Japan: Nein, kein wirklicher Ersatz. Japan ist selbst einer der größten LNG-Importeure weltweit und nur mit rund vier Prozent seiner Importe direkt von Katar betroffen. Aufgrund der globalen Knappheit kauft Japan nun selbst verstärkt Spot-LNG oder koordiniert mit Südkorea und Taiwan. Zusätzliche Lieferungen nach Europa sind derzeit nicht realistisch. Weitere mögliche Quellen: Australien, Norwegen (Pipeline-Gas) und Algerien laufen bereits nahe an der Kapazitätsgrenze. „Zusätzliche Mengen sind nur begrenzt verfügbar, die globale Konkurrenz um LNG-Ladungen treibt daher die Preise weiter“, so der XTB-Analyst.
Deutschlands Achillesferse: Leere Speicher
Besonders kritisch ist die Ausgangslage der europäischen Speicherstände. EU-weit sind die Gasspeicher aktuell nur noch zu rund 30 Prozent gefüllt, das sind etwa neun Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Deutschland liegt sogar nur bei 20,5 Prozent. Um bis November wieder auf 80 bis 90 Prozent Füllstand zu kommen, muss Europa im Frühjahr und Sommer erhebliche LNG-Mengen einkaufen. Das geschieht genau in der Phase, in der die Preise aktuell explodieren.„Plump formuliert: Das Auffüllen der Speicher wird sehr teuer“, sagt Klatt. „Bei nahezu verdoppelten Preisen steigen die Refill-Kosten proportional. Wir sprechen hier von mehreren Milliarden Euro zusätzlichen Beschaffungskosten.“ Die EU-Kommission hat bereits eingeräumt, dass das Wiederbefüllen deutlich teurer wird und koordinierte Maßnahmen sowie mögliche Nachfragedämpfung erforderlich sein könnten. br> Worst-Case-Szenario: Welche Preise sind im schlimmsten Fall zu befürchten?
Die möglichen Preisniveaus im Überblick:
- • Kurzfristig: 55–60 €/MWh (aktuelles Niveau)
- • Längerer Katar-Ausfall: 80–100 €/MWh
- • Einmonatige Hormuz-Blockade: 70–85 €/MWh, auch höher
- • Extremszenario wie 2022: über 100 €/MWh möglich, jedoch nur bei massiver Eskalation
Kurzfristig bleibt die physische Versorgung stabil. Doch solange Unsicherheit rund um Katar und die Straße von Hormuz besteht, dürfte das Preisniveau hoch bleiben. Deutschland und die EU können LNG-Volumina – insbesondere aus den USA – umlenken, zahlen dafür jedoch einen erheblichen finanziellen Aufschlag. „Ein Blackout-Risiko sehe ich aktuell nicht“, stellt Jens Klatt klar. „Die Versorgung ist kurzfristig gesichert. Aber die Preisdimension ist eine andere Frage und genau hier liegt das eigentliche Risiko für Deutschland und Europa.“
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